Vom 16.-20. August 2018 fand in Neve Shalom/Wahat al Salam das Summercamp für die Waisenkinder aus Tulkarem in der Westbank statt. Die Kinder hatten erst die Erlaubnis zur Ausreise aus dem besetzten Gebiet bekommen, als man den Verantwortlichen der Armee mit einem Artikel in der Presse gedroht hatte.

Hier der BerichtBericht  von Samah Salaime. 

Reem, eine Psychologie-Studentin, die im letzten Jahr im Summercamp arbeitete, hatte die Gesamtleitung zusammen mit Nur Najar, der Tochter von Abdessalam Najjar, die jüngst mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern ins Dorf zurückgekehrt ist. Die Teilnehmer wurden auf dem Campus der Friedensschule untergebracht, 26 Jungen in drei Zimmern und 11 Mädchen in einem Raum. Ihre fünf Begleiter aus dem Waisenhaus schliefen auch in der Friedenschule. Geduscht wurde im Sportgebäude, gegessen im Clubraum.

Am Tag der Ankunft, dem 16. August, unternahmen wir nach der Begrüßung und dem Mittagessen einen Rundgang durch das Dorf und hatten ein Treffen mit allen Betreuern/Gruppenleitern. Die Jungen spielten Fußball mit Murad Abu Anza (Nurs Mann – einem Berufsfußballspieler, der in Israel sehr bekannt ist). Die Mädchen nahmen an einem Arbeitskreis teil. Nach dem Abendessen, dem Duschen und der Verteilung der Schlafplätze gab es eine Party mit Musik und Erfrischungen.

Wir entdeckten bald, dass die Kinder ohne persönliche Utensilien wie Unterwäsche, Handtücher oder Kleidung zum Wechseln angekommen waren. Die Begleiter erklärten, dass dafür keine Zeit war, da sie die Erlaubnis zur Fahrt erst im letzten Augenblick bekommen hatten. Wir wandten uns an die Dorfbewohner und erhielten in kurzer Zeit viele Kleiderspenden. Den Rest kauften wir in einem Laden in der nahgelegenen Stadt Modiin. Es war eine sehr eigene Gruppe von Kindern mit schwierigen persönlichen Geschichten. Wir hörten von den Begleitern, dass sie sich mit viel Traurigkeit und Schmerz beschäftigen mussten. Einige Kinder waren wirklich sehr bekümmert. Ein sechs Jahre alter Junge weinte den ganzen ersten Tag, weil sein neun Jahre alter Bruder keine Erlaubnis bekommen hatte – wer weiß warum? Zwei Kinder kamen krank, verwirrt und mit Fieber an. Sie wurden von einem Doktor des Dorfes untersucht. Nachdem sie Medizin erhalten hatten, besserte sich ihr Zustand am nächsten Tag. Die Kinder dieses Jahres waren zweifellos in einem schlechteren Gemüts-Zustand als die Gruppen, die wir gewöhnlich zum Summercamp gebracht hatten. Jedes Kind trug Anzeichen von Gewalt, litt unter einigen Verhaltens-Störungen, oder war mit einer schwierigen Familiengeschichte belastet. Einige der Jungen und Mädchen schienen jünger zu sein, als sie tatsächlich waren.Am Ende des ersten Tages, gegen Mitternacht,saßen wir mit den Betreuern, dem Team und den Begleitern aus dem Waisenhaus zusammen. So erfuhren wir mehr von Problemen und Schwierigkeiten der Kinder. Reem stellte das Programm des nächsten Tages vor.

Der zweite Tag: Von Beit Shemesh fuhren sie kurz mit der Bahn hinauf zum Jerusalem Bibel-Zoo, wo sie auch zu Mittag aßen. Anstatt dann wie geplant weiter zur Altstadt und zur Al-Aqsa Moschee zu fahren entschieden wir uns mehr Zeit im Zoo zu verbringen. Die Kinder vergnügten sich selbst. Am späten Nachmittag kehrten sie heim zu einigen Spielen und Aktivitäten, die wie für sie vorbereitet hatten, bevor sie schlafen gingen. Die Idee einer kurzen Bahnfahrt nach Jerusalem war sehr glücklich, da sie Zeit und Geld sparte.

Der dritte Tag: Wir besuchten einen Wasser-Park, brachten Schwimmanzüge mit, fast für jeden, vor allem für die Mädchen, die keine Badeanzüge hatten. Anfangs gab es eine Auseinandersetzung mit einer Betreuerin. Sie wollte einigen Mädchen nicht erlauben ins Wasser zu gehen. Schließlich überredete Reem sie, die Mädchen wenigstens an diesem besonderen Tag im Wasser spielen zu lassen.
So verbrachten alle Kinder einen wahrhaft fröhlichen Tag im Wasserpark. Danach kehrten sie erschöpft zurück.

Am Abend nahm sie Diana Shaloufi -Rizek in die Galerie mit und erklärte ihnen die gegenwärtige Sonderausstellung von palästinensischen und israelischen Künstlern zum Thema „Flüchtlinge im Schatten des Konflikts“. Nach der Ausstellung gab Diana ihnen Kunstmaterial und einen Gruppen-Kunst-Workshop.

Am vierten Tag starteten wir mit einem Schatzsuche-Spiel. Die Betreuer/Gruppenleiter hatten eine Karte des Dorfes mit verschiedenen Stationen erstellt. Der Karte folgend sollten die Kinder die Schule, das geistliche Zentrum, das Auditorium und die Bibliothek suchen. An der letzten Station erhielten sie einen Preis. Wir hatten einen Spaßtag im Dorf, einschließlich eines Besuches im Schwimmbad, nahmen an Recycling-Workshops in der Schule teil usw. Am Abend spielten die Jungen Fußball und die Mädchen besuchten einen Workshop für persönliche Sorge und Selbstverteidigung.

Am letzten Tag begannen wir mit einem kreativen Workshop Drachen zu basteln aus recyceltem Material. Nachher fuhren wir nach Jaffa. Dabei gab es Zeit am Strand und für sie die erste Bootsfahrt. Die Kinder sangen, tanzten, spielten und machten Fotos.

Vor der Heimfahrt verteilten wir alles, was wir für sie gekauft und aus dem Dorf geschenkt erhalten hatten. Adnan Mana, der eine Apotheke leitet, schenkte den Kindern und ihren Begleitern Kosmetikartikel. Sie erhielten Erste-Hilfe-Schachteln, Kleidungsstücke, Seifen, Haarwaschmittel und Handtücher. Jedes Kind bekam einen Schulranzen mit Feiertagskleidung und Turnschuhen. Sie waren voller Freude.